Warum EFQM?

Was bringt «EFQM»? Die Auseinandersetzung mit dem EFQM-Modell bedeutet zunächst einmal Aufwand. Doch welcher Nutzen steht diesem gegenüber? Dieser Beitrag stellt die zentralen Nutzentreiber vor.

(1) Das EFQM Modell erleichtert die systematische Unternehmensgestaltung und -entwicklung 

Der primäre Nutzen von EFQM besteht darin, dass es eine geführte, ganzheitliche Organisationsentwicklung erleichtert. EFQM adressiert alle Aspekte einer Organisation: die Daseinsberechtigung (Zweck), die Ziele, die Kultur und die Werte, die Strategien und deren Umsetzung über Prozesse und Projekte, die gewünschten sowie erzielten Ergebnisse. Dabei werden diese Elemente nachvollziehbar im Sinne eines Regelkreises miteinander in Beziehung gesetzt. Das Modell forciert sowohl die Transformation, d.h. das regelmässige Infrage stellen der eigenen Position, als auch das Streben nach kontinuierlicher Verbesserung. Für die Praxis liefert das Modell dabei nützliche Hinweise für gute Unternehmensführung, welche Impulse für konkretes Handeln liefern – ohne jedoch spezifische Methoden und Verfahren vorzuschreiben. Die regelmässigen Aktualisierungen des Modells helfen, neuen methodischen, technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen besser zu begegnen. So unterstützt EFQM z.B. die Philosophie von Agilität in seiner Gesamtheit soweit dies in der eigenen Situation nützlich erscheint – aber eben nicht als Selbstzweck oder als isoliertes Thema der IT-Abteilung, wie man es in der Praxis leider noch häufig vorfindet. Auch schafft EFQM Anreize für Organisationen, einen Beitrag für die grossen humanitären Herausforderungen der Menschheit zu leisten, u.a., indem eine Unternehmung mit den Ressourcen schonend und umweltverträglich umgeht, was in der heutigen Zeit kein Luxusproblem sondern eine Forderung der Konsumenten ist.

(2) Die Prinzipien des EFQM Modells regen zu sinnvolleren Denken und Handeln an

Grundlage des EFQM Modells sind wertvolle, stabile und allgemeingültige Prinzipien. Diese sind zwar dem gesunden Menschenverstand eingängig bekannt, werden im (Arbeits-) Alltag aber oftmals nicht beherzigt. So ist die Wahrscheinlichkeit, dass man bei einem Vorhaben erfolgreich ist, deutlich höher, wenn man weiss, wer seine Anspruchsgruppen sind, welche Bedürfnisse diese haben und welche Kompromisse zwischen ihnen möglich sind. Oder dass man erkennt, dass die Wirkung bzw. Wahrnehmung einer Massnahme zählt (z.B. „ein schöner Abend zu zweit“) und die Leistung dahinter (z.B. 4 Stunden schlecht kochen vs. 1 guter Lieferservice) nur ein Mittel zum Zweck ist, den es unter Berücksichtigung der eigenen Stärken und Schwächen zu optimieren gilt. Auch weiss man schon seit der Kindheit, dass man aus Fehlern stets lernen soll. Doch längst nicht in allen Organisationen herrscht eine ehrliche und offene „Fehlerkultur“, bei der man z.B. nach dem P-D-C-A-Prinzip  (Plan, Do, Check, Act) die Weichen stellt, damit sich ein Fehler in Zukunft nicht mehr wiederholt.

(3) Die Vorgehensweisen bei EFQM fördern Motivation, Kultur und Partizipation

Mit dem EFQM-Handlungsrahmen werden die Handlungen in der Organisation nachvollziehbarer und für alle verständlicher. EFQM legt grossen Wert auf die Partizipation der Anspruchsgruppen und deren Mitgestaltung. Das neue Führungsverständnis motiviert Mitarbeiter, sich intensiv einzubringen, z.B. auch in die Strategiediskussion, und die Verantwortung für die Umsetzung mit zu tragen. Dies hat zur Folge, dass Strategien und Massnahmen besser gestaltet, akzeptiert und vor allem eben auch tatsächlich umgesetzt werden. Durch die transparenteren Ursache- und Wirkungszusammenhänge wird Erfolg besser planbar.

(4) Die  globale Akzeptanz des EFQM Modells führt zu mehr Vernetzung und Kooperation

Die erste Hürde, nämlich überhaupt in die Welt von EFQM hineinzufinden, wandelt sich schnell zu einer grossen Stärke. Die einheitliche „EFQM-Sprache“ bewirkt, dass viel leichter miteinander kommuniziert wird, und das über die Organisations- und Ländergrenzen hinweg. Die einheitliche Methode bewirkt, dass die gemeinsame Energie schneller auf die Sache gelenkt und nicht endlos über Vorgehensweisen diskutiert wird. Für international tätige Assessoren ist es immer wieder erstaunlich, wie schnell ein Team, das sich bis dahin nicht kannte, in einem fremden Land zusammenfindet, weil nämlich der Handlungsrahmen und die EFQM-Sprache sie verbindet. Erfolgreich in der globalen, vernetzten Welt und bei EFQM sind weiterhin nur Organisationen, die auf geeignete Partnerschaften setzen, um den Nutzen für ihre Kunden zu steigern, und das dazu erforderliche Kooperationsmanagement gut betreiben. Nicht zuletzt forciert EFQM das Lernen von anderen, d.h. insbesondere das Benchmarking und den Austausch von Good Practices.

(5) Die optionalen EFQM Auszeichnungen steigern die Lust am Wettbewerb und das Vertrauen 

Die EFQM-Welt bietet optionale Auszeichnungen sowie nationale und internationale Wettbewerbe. Es ist was anderes, ob man sich einfach nur fest vornimmt, mehr zu joggen oder sich und den Freundeskreis zum Marathon anmeldet. Die Anmeldungen zu Auszeichnungen und Wettbewerben führen spürbar zu mehr Motivation und Stringenz bei Mitarbeitern und Führungskräften – man will schliesslich gut abschneiden und einen wertvollen Beitrag leisten. Die Assessments liefern wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung und sind zugleich Wertschätzung für die erbrachten Leistungen. Die Auszeichnungen führen zu einem gewissen Stolz und dienen als Qualitätsmerkmal. Es ist für die Aussenwelt wie bei den Hotel-Sternen auf einen Blick erkennbar, dass die Organisation es ernst meint, excellent zu werden und zeigt auf, wie weit sie auf diesem Weg schon fortgeschritten ist. Dieser sogenannte «Vertrauenstransfer durch Dritte» ist der heutigen digitalen und schnell-lebigen Zeit umso wichtiger,  denn Kunden wollen auf einen Blick erkennen, ob eine Organisation vertrauenswürdig ist.

Fazit: In der Summe fördert EFQM systematisch und langfristig die Leistungs- und Transformationsfähigkeit von Organisationen

Viele Wege führen bekanntlich zum Erfolg. Das Organisationen, die Managementmethoden wie die des EFQM-Modells anwenden, statistisch nachweisbar erfolgreicher sind, als diejenigen, die es nicht tun, kommt nicht von ungefähr. Alleine schon der Wille und das Streben, sich ständig zu verbessern und zu hinterfragen, bewirkt einen hohen Nutzen. EFQM hilft dabei, systematisch vorzugehen, die Ressourcen richtig einzusetzen, Fehler früher zu erkennen und Stolperfallen zu vermeiden.

Juli 2020, Robert Knop

Das EFQM Modell 2020
Von der Pflicht zur Kür – Gibt es ein Leben nach der ISO?

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